Mein Niedernberg – Mein Heimatort

Dem Leben nacherzählt!   –   Verfasserin: Maria Reinhard

Einmarsch der Amerikaner an Palmsonntag 1945


Am Palmsonntag 1945 kam die große Kapitulation. Die weiße Fahne wurde gehißt und die Amerikaner sind einmarschiert. Es wurde zwar noch vereinzelt geschossen und wir waren alle noch in Angst. Die Amerikaner haben das Rathaus besetzt und das Regent übernommen. Es wurde Juli - August bis sich die Verhältnisse einigermaßen geordnet hatten. Nach und nach kehrten unsere braven Soldaten zurück, auch die, die in verschiedenen Ländern in Gefangenschaft waren. Wir gedenken auch im Gebet der vielen Helden, die für das deutsche Vaterland gefallen sind.

Der Traum vom Großdeutschland war ausgeträumt. Statt Land zu gewinnen mußten wir einen Großteil an Rußland abgeben. Damit die dort lebenden Deutschen nicht zurück ins Reich konnten, bauten die Russen eine Mauer auf mit Stacheldraht und Schießbefehl. Es ist und bleibt für immer eine Schandmauer.

Alois züchtete auch Pferde. Hier hält er beim ersten Bürgerfest-Umzug 1949 die Zügel in der Hand. Im Hintergrund sind die Anwesen vom ehemaligen Bayerischen Hof und rechts am Bildrand das Gasthaus Zur Krone zu sehen. Das Wagenmotiv mit dem Schwan und dem kostümierten Ritter stellt die Lohengrin-Sage dar – ein damals sehr beliebter Festwagen-Klassiker. Das Banner verrät die Aufschrift: "Heil deutschem Lied..." – Alois war als leidenschaftlicher Sänger im Niedernberger Gesangsverein.


Als die Amerikaner sich zurückzogen, wurde Adam Klement zum Bürgermeister erwählt. Es gab ja viele Aufgaben zu bewältigen. Es bewahrheitet sich immer wieder der Bauernstand ist der wichtigste Erwerbszweig in der Welt. Die vorhandenen Nahrungsmittel wurden durch Karten eingeteilt. Die Bombenschäden wurden behoben und Wohnungen ausgebessert. In den Städten hatten die Baufirmen alle Hände voll zu tun. Da gabs keine stolzen Städter. Jeder einzelne hat mitgeholfen beim Schutt aufräumen. So manches Möbelstück oder Gegenstand wurde da und dort noch gefunden.


Die Deutschen sind ja für ihren Fleiß bekannt. Nach 2 - 3 Jahren waren in den Städten die meisten Trümmer weggeräumt und Neues aufgebaut. Die Leute wollten ja wieder in ihre Wohnungen zurück. Die Fabriken waren fast alle demoliert und die Maschinen von unseren Gegnern abmontiert. Die Besitzer Mußten wieder neu anfangen. Nur die Glanzstoff-Werke blieben von Demolierung verschont, weil es ja ein internationaler Betreib ist. Nach und nach kamen auch die Kleiderfabriken wieder in Betrieb. Die Bomben und andere Waffen können sie einschmelzen und daraus Maschinen bauen. Die Flugzeuge können für friedliche Zwecke verwendet werden.


1946 kamen die Flüchtlinge aus Schlesien und dem Sudetenland zu uns (auch eine Folge unseres unseeligen Krieges). Sie wurden von den Tschechen aus ihrer Heimat vertrieben. Sie fanden bei uns gute Aufnahme. Es ist ein fleißiges Volk und ist schon längst in unsere Gesellschaft eingegliedert.


1948 kam die große Währungssanierung. Über Nacht war das ganze Geld verfallen. Die Bank zahlte für jede Person (laut Ausweis) 40,-- DM aus. Das war ja ein schwerer Schlag für alle. Aber auch darüber kamen wir hinweg. Die beste Waffe dagegen heißt: Sparen. Die Preise und Löhne waren dementsprechend niedrig und da kam man schon zurecht.

Am 20. September 1949 wurde Konrad Adenauer zum deutschen Bundeskanzler gewählt. Er hat viele Jahre regiert und hat es verstanden auch dem Ausland gegenüber Deutschland zu Ansehen zu bringen.


Der Krieg ging zu Ende, aber das Leben ging ja weiter. Mit Arbeit waren wir voll aufgelastet. Beide Berufe (Milchsammler und Landwirt) mußten ja auch sonntags ausgeübt werden (auch samstags, heute nennt man es Wochenende und arbeitet nichts). Wir hatten große Freude mit unseren drei Kindern. Alois war auch ein gläubiger Christ. Trotz vieler Arbeit ging er jeden Sonntag zur Messe. Auch im Vereinsleben war er tätig, in der kath. Arbeiterbewegung und im V.d.K. (Verband der Kriegsversehrten). Er war lange Jahre im Gesangsverein und hat nie in der wöchentlichen Probe gefehlt. Sein Lieblingslied war: Ich bete an die Macht der Liebe und wenn er recht vergnügt war, sang er: Alles, was mein Herz erfreut, ist ein Gläschen Weine. Musik ist eine Weltsprache. Tanz und Gesang ist für mich der edelste Sport. Heute sind meine zwei Söhne auch beim Gesangsverein, der eine aktiv, der andere passiv. Das freut mich.


Der kleine Alfons in der Klasse wurde im Religionsunterricht gefragt: Welches sind die höchsten Feiertage im Jahr. Der sagte prompt: Kerb und Fastnacht! Er hatte gar nicht so unrecht: Beide vermitteln Freude. Und das ist ja der Sinn aller Feste. In Niedernberg waren schon immer viele Vereine tätig und verstanden auch Feste zu feiern. Es war und ist auch heute noch wichtig, daß die jungen Leute in einem Verein sind. Das hilft auch irgendwie in der Erziehung mit, daß sie sich einander anpassen. Alois war ein guter Gesellschafter und ein guter Tänzer. Wir haben zusammen viele schöne Stunden verbracht.


In den fünfziger Jahren ging es langsam aber sicher aufwärts. Wir hatten unser gutes Auskommen. 1951 haben wir einen Traktor gekauft, um die Feldarbeit eher zu bewältigen. Die Kinder konnten auch schon fest bei der Arbeit mithelfen. Nach ihrer Schulzeit sollten alle drei einen Beruf erlernen und das war auch gut so.


In kurzer Zeit waren die Bauern modernisiert. Die Pferde wurden abgeschafft, dafür Milchkühe gekauft und nur mit modernen Maschinen gearbeitet. Das Milchgeld war halt doch eine sichere Einnahmequelle.


Auch die Technik machte große Fortschritte. Die Fabriken wurden wieder instant gesetzt und neue gebaut. Da wurde jeder Arbeiter gebraucht. Wer arbeiten wollte, der fand einen Arbeitsplatz. Auch die Kleiderfabriken waren wieder in Betrieb. Aus den früheren Heimarbeitern wurden jetzt Textilarbeiter. Die früheren Handbetriebe sind abgeschafft, durch die Elektrizität geht jetzt alles maschinell. In der Küche braucht die Hausfrau nur auf den Knopf zu drücken und die Arbeit geht von selbst.


Aber jeder Luxus muß bezahlt werden. Die Preise stiegen rapid, also mußte wieder mehr verdient werden. Die Frau mußte auch zur Arbeit gehen und mitverdienen. Bundeskanzler Erhard, der Nachfolger von Adenauer, hat damals schon gewarnt, man solle Maß halten und sparen. Er wurde ausgelacht. Heute sieht man ein, daß er recht hatte.


Jeder mußte darauf bedacht sein, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, denn es geht ja um die spätere Rente. In den sechziger Jahren war von den Verwüstungen des Krieges nicht mehr viel zu sehen. Dank des deutschen Fleißes waren wieder Städte und Dörfer aufgebaut. Auch der Handel blühte. In den Fabriken wurden die modernsten Maschinen angeschafft. Da wurden viele Arbeiter auf Computer umgeschult. Auch die Jugend muß außer der Grundschule auch noch weiter studieren. Der Konkurrenzkampf ist groß.



Fortsetzung siehe hier...