Mein Niedernberg – Mein Heimatort
Dem Leben nacherzählt! – Verfasserin:
Maria Reinhard
Bis daß der Herr uns beide scheidet
Am 24. März 1964 starb mein Mann an einem Herzschlag. Ich hab einen guten Kameraden und die Kinder einen guten Vater verloren. Sein arbeitsreiches Leben hat seine Erfüllung gefunden.
Herr gib ihm die ewige Ruhe.
Und das Leben geht weiter. Auch die Bauern im Ort haben sich nach und nach auf Großbetriebe umgestellt. Dadurch wurden Arbeitskräfte frei und konnten in die Fabrik gehen. Von den einst 250 Milchlieferanten sind heute nur noch zwanzig übriggeblieben, die aber genau so viel Milch abliefern. 1933 kostete ein Liter Milch vierzehn Pfennig und heute 1,20 DM. Die Molkereien müssen sich auf die Wünsche der Verbraucher einstellen und bieten ihre Milchprodukte in allen Variationen an.

Links: Theo Wagner, der damals schon als Fahrer aushalf, 1954 am Steuer des Milchlasters. Das Bild rechts zeigt Theo am Milch-Tanklastwagen Anfang der 70er Jahre in der Blumenstraße.
Den Milchtransport hab ich aufgegeben und die Molkerei hat es übernommen. Die Milch wird heute noch mit einem Tanklastwagen täglich hier abgeholt.
Am ersten Oktober 1976 hab ich die Milchküche gekündigt. Die Molkerei hat sämtliche Apparate abgeholt und die Milchküche wurde geschlossen. Den Leuten war es gar nicht recht, sie mußten ihre Milchkannen auf einen bestimmten Platz stellen und dort wurden sie abgeholt.
Wenn der Beruf auch anstrebend war und man ihn 43 Jahre lang ausgeübt hat, war es mir doch die erste Zeit schwergefallen, nichts mehr zu tun. Ich kam mir so überflüssig vor. Am letzten Ablieferungstag brachte mir eine Bauersfrau (Helga Klement) einen Blumengruß als Dank für meine Arbeit, das hat mich sehr gefreut. Es gibt Augenblicke im Leben, in denen eine Blume wichtiger ist als ein Stück Brot.
Und aus dem Knaben ward ein Mann
Meine drei Kinder sind inzwischen längst glücklich verheiratet, haben wieder Kinder und haben einen Beruf und jeder ein neues Haus. Ich freue mich mit meinen sechs Enkelkindern und wünsche mir sehr, daß sie gesund bleiben.
Meine Eltern und Schwiegereltern sind schon lange tot. Von meinen Geschwistern leben nur noch Edgar und Rosa. Von Alois acht Geschwistern lebt noch eine Schwester Maria Gerlach. Auch aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis sind viele gestorben. Eigentlich muß man da nicht traurig sein, es ist ja der Lauf der Welt, die einen kommen, die anderen gehen. Nach unserem Glauben gibt es ja ein Wiedersehen im Himmel. Also freuen wir uns darauf.
1975 habe ich meinen Besitz an Land an meine Kinder verteilt. 1979 habe ich auch Haus und Hof an meinen Sohn Rainer abgegeben. Laut Gesetz hat er auch das Sorgerecht für mich übernommen. Ich habe eine schöne Wohnung und freien Zugang zu Garten und Gebäuden. Ich bin ja jetzt Rentnerin. Das muß doch ein schöner Beruf sein, weil man immer wieder junge Leute sagen hört: "Rentner müßte man sein". Aber die Rente mußte man durch viele Jahre hindurch verdienen. Meine Rente ist bescheiden, aber es reicht zum Leben.
Fortsetzung siehe hier...






